Georges Brassens
(1921-1981)
Georges Brassens (1921-1981)

Mama, Papa
Ich schreib dieses Lied und bin

Mama, Papa
Plötzlich wieder kleines Kind...
(Mama Papa)
»Sète gefällt mir. Ich mag diesen Landstrich sehr, denn das ist das Land meiner Eltern, dort habe ich meine Kindheit verbracht und dort war ich zum ersten Mal verliebt. Es ist ein Land wie jedes andere, aber ich mag Sète sehr.

    Wir wohnten am Berghang von Sète, vom Haus aus konnte man das Meer sehen und auf der anderen Seite den Etang de Thau. Ich lebte im Wasser. Ich staune übrigens, dass ich in Paris leben konnte, wenn man zuvor so mitten im Wasser gelebt hat, umgeben von Booten und Sonne... Die Sonne ist vielleicht das, was mir am wenigsten fehlen würde. Was mir fehlt, ist das Meer und diese Geschäftigkeit des Hafens... das hat meine Kindheit geprägt...

    Meine Kindheit war ständig von Liedern begleitet. Seit ich auf der Erde bin, erinnere ich mich an keinen Tag ohne Musik, ohne Gesang. Das war die Art des Hauses, muss ich sagen: mein Vater sang, alle sangen; keiner war Musiker, keiner MACHTE Musik, es wurde vor allem gesungen... Damals, in der Vorkriegszeit, war die Technik noch nicht so weit fortgeschritten, die einfachen Leute in der Provinz lebten mit dem, was sie hatten, mit den Mitteln an Bord...
Ich lebte schon damals verkrochen in meinem Schneckenhaus. Mir scheint, im Grunde bin ich schon immer alleine gewesen. Alle sind übrigens allein. Ich habe das vielleicht mehr als andere empfunden.
    Der Kummer aus der Kindheit kommt vielleicht nie wieder ins Lot. Vielleicht ist die erste geplatze Seifenblase ein für allemal geplatzt und man erholt sich von diesem Schlag sein Lebtag nicht...«


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